Das schmeckt mir nicht!

Kinder wollen immer nur das Eine und wenn das nicht am Tisch steht, wird geraunzt und gestreikt bis sich der Tisch biegt. Oder es wird einfach das Essen verweigert. Was Erwachsenen richtig gut schmeckt, wollen die Kleinen oft nicht einmal anschauen. Die Großen wundern sich dann oft darüber, weil es nicht so leicht zu verstehen ist, was Kindern schmeckt oder nicht schmeckt.

Doch gerade wenn die Kleinen noch in den Kinderschuhen stecken, beginnt die Prägung des Essverhaltens eines Menschen. Was Kinder gerne essen, bleibt manchmal ein Leben lang die Laibspeise. Und das denn Kindern natürlich Pommes mit Ketchup und paniertes Wiener Schnitzel am besten schmeckt, ist für das Ernährungsverhalten nicht gerade positiv prägend.

Die Frage, wie man es anstellt, dass auch den Kleinen gesundes Essen schmeckt, haben wir der Expertin auf diesem Gebiet gestellt. Die Diätologin Frau Kirchmaier (bekannt aus Radio Tirol ORF) verrät gleich mehrere Tipps:

Kann man Kindern gesundes Essen schmackhaft machen

Ja, auf jeden Fall. Prinzipiell empfehle ich immer als erstes eine „Abklärung“ der Ursache. Warum will das Kind nur z. B. Nudeln, Schokolade und Semmeln essen? Vielleicht steckt eine mangelnde Geschmacksentwicklung dahinter? Diese kann man mit einer relativ einfachen Therapie behoben werden. Kinder lernen in dieser Therapie, im Prinzip wie ein Säugling, Geschmacksrezeptoren zu bilden. Man kann die Therapie mit dem Erlernen des Weingenusses vergleichen. Damit Sie den Wein in allen Facetten schmecken können, bedarf es einer Geschmacksschulung.

Pfui, das schmeckt schleimig…

Oder vielleicht entspricht die Konsistenz der gesunden Gerichte nicht? Salatfasern, die in der Zahnlücke hängen bleiben, Spargelfasern, die das Kind schlecht kauen kann, Karotten, die z. B. nur frisch und geraspelt geliebt werden, aber nicht in gegarter Form, usw.

Gewürze sind nicht immer nur lecker!

Die Gewürze spielen eine große Rolle. Kinder schmecken viel intensiver. Ab dem 40. Lebensjahr verlieren wir pro Jahr ca. 1 % an Geschmacksempfinden. Man kann sich ausrechnen, wie es dem Kind schmeckt, wenn die Uroma so würzt, dass es ihr schmeckt. Kids können oft den Geschmack noch nicht so richtig zuordnen, besonders häufig kommt das bei Gewürzmischungen und Kräutern vor. Mit Grauen erinnere ich mich an den Gurkensalat meiner Mama zurück. Dille so weit das Auge reichte. Ich liebe Gurken, aber diese Dille! Und meine Mama wunderte sich, warum ich nie Gurkensalat essen wollte…

Lesetipp – Xund kochen! Gesunde Küche für jeden Tag

„Gesund essen – ja! Aber wie?“ Mit diesen Schlagwörtern steigt Frau Angelika Kirchmaier direkt in den Ort des Geschehens ein. Die Küche als Tatort der gesunden oder nicht gesunden Küche bleibt vor Ihr nicht mehr verschont.
Verlagshinweis: Tyrolia-Verlag, Innsbruck-Wien 2006, www.tyrolia.at
Art und Umfang des Buches: Ringbuch mit 248 Seiten, ISBN-13: 978-3-7022-2900-9

Der Griff in die Trickkiste

Wenn kein Grund dahinter steckt, dann empfehle ich den Griff in die Trickkiste. Z. B. püriertes Gemüse in ein Sugo mischen. Das Sugorezept aus Xund kochen von S. 124, bedient sich genau dieses Tricks. Dass er funktioniert, zeigte der Praxistest in einem Kindergarten. Alle Kids waren begeistert. Bei den Konzentrationsmuffins von S. 29 handelt es sich um einen gesunden Kuchen mit Jogurt, Vollkornmehl, Apfel… Also warum die Kinder mit Vollkornbrot quälen, wenn der Muffin doch viel leckerer schmeckt? Was spricht gegen so einen Kuchen als z. B. Schuljause? Die Mini-Palatschinken von Seite 27 waren der Renner bei den Testesser-Kids, absolut gesund in der Zusammensetzung, genauso wie die Apfellaibchen von Seite 205. Es gibt also genügend Möglichkeiten, um Obst und Gemüse in das Essen zu schwindeln.

Ein weiterer Tipp liegt in unseren Genen. Askese fördert den Genuss. D. h. wenn Sie den Salat ein paar Minuten vor dem Hauptgericht auf den Tisch stellen und dann noch den Duft vom frisch gekochten Essen in der Küche verbreiten, fließen die Verdauungssäfte. Der Salat beginnt auf einmal auch Salatmuffeln zu schmecken.

Vorbildwirkung

Und was wir Eltern uns einfach bewusst sein müssen, wir sind das Vorbild unserer Kids. Wenn der Papa mit hängendem Mundwinkeln vor dem Salat sitzt und jammert, dass es schon wieder so ein Grünfutter gibt, dann wird aus dem kleinen Spatz im Kinderstuhl vermutlich kein Salattiger werden. Der Papa ist groß und stark, also esse ich als Nachwuchs das, was der Papa isst.

Kreativität und ein bisschen Zeit

Kinder lernen viel durch spielerische Aktitivitäten. Deshalb ist es natürlich für Eltern wichtig etwas Kreativität und ein wenig Zeit mitzubringen. Den Grundstein für eine gesunde Ernährung im Kindesalter zu legen zeigt ein gewisses Maß an Verantwortungsbewusstsein. Ihre Kinder werden es Ihnen danken!

Wenn Kinder nur Schnitzl & Co essen wollen
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