Der gute Geschmack

Wo ist unser lieber guter Geschmack nur geblieben? Vielen schmeckt es nicht, wenn Sie eine neue Obst- oder Gemüsesorte ausprobieren. Viele andere können blindlings, also nur mit Geruchs- und Geschmackssinn, Speisen und Lebensmittel nicht untereinander auseinander halten oder identifizieren.

Begonnen hat diese Geschmacksverwirrung großteils mit der Industrialisierung der Lebensmittelproduktion. Denn wurden fast alle Produkte früher ausschließlich direkt von Bauern und Kleingewerbetreibenden erzeugt, so werden die im Handel heutzutage angebotenen Produkte fast überwiegend industriell bearbeitet oder aufbereitet. Kaum ein Lebensmittel gibt es, welches nicht zumindest wegen der Haltbarkeit bearbeitet wird.

So ist über Jahre hinweg der gute Geschmack am authentischen Produkt verloren gegangen und unser aller Geschmackssinn hat sich verändert.

Der falsche Geschmack

Dieser fehlende oder von der Industrie erzogene Geschmackssinn führt eindeutig dazu, dass sich die meisten in unserer westlichen Bevölkerung nur einseitig ernähren. Denn gegessen wird nur das, was schmeckt. Und schmecken tut hauptsächlich das, was in den Regalen angeboten wird. Und was in den Regalen angeboten wird, ist oft nicht gesund.

So entstehen aufgrund einer einseitigen Ernährung nicht nur Mangelerscheinungen (eine Zivilisationskrankheit) sondern auch die vielen Begleiterscheinungen die damit einhergehen. Und von Übergewicht braucht man ja gar nicht extra zu sprechen!

Unsere Geschmacksknospen trainieren

Was bleibt uns nun anders übrig, als das wir erneut von vorne beginnen unsere so wertvollen Geschmacksknospen zu erziehen oder umzuschulen – Geschmackserziehung sozusagen. Denn die Vielfalt der Geschmäcker und Eindrücke ist verlockend. Vor allem beim Obst und Gemüse ist diese Geschmackserziehung wirklich notwendig, um wieder die volle Vielfalt an diesen Produkten genießen zu können.

Das Training unserer Geschmacksknospen ist eigentlich sehr simpel und geht mit einer Umstellung auf gesunde Ernährung so und so einher. Denn gesunde Ernährung bedeutet grob gesagt, die ursprünglichen Produkte in ursprünglicher Form wieder zu essen. Obst in Form von Obst und nicht in Form von Obstkonserven. Gemüse in Form von Gemüse und nicht in Form von Fertiggemüse wie Pommes. So auch bei Käse, Fleisch und Co. Wer auch immer schon seine Ernährung umgestellt hat, kennt den typischen Gewöhnungseffekt, der zu Beginn manchen diese Umstellung erschwert, weil einige Produkte vielleicht gewöhnungsbedürftig schmecken, da der Geschmack neu ist für die Geschmacksknospen.

Die Geschmackserziehung beginnt damit wieder dort, woher die Produkte für die meisten von uns kommen: beim Einkaufen. Denn schon hier wird mit dem Auge gustiert, wo die ersten Geschmacksvorstellungen eintreten. Möglichst bunt und vielfältig einzukaufen hilft, später dann richtig gut die verschiedenen Geschmacksrichtungen zu erleben – süß, salzig, bitter, sauer, usw.

Was der Bauer nicht kennt das frisst er nicht ?

Altes Sprichwort in aller Ehren, aber genau das sollten Sie nicht so handhaben. Trauen Sie sich drüber. Kaufen Sie neue Lebensmittel, die Sie gar nicht kennen. Und Sie brauchen gar nicht an exotische Produkte denken, bleiben Sie für den Anfang bei den heimischen, regionalen Produkten. Sie werden sehen was Sie alles verlernt haben zu schmecken. Kaufen Sie nicht allzu große Mengen, denn wenn etwas wirklich nicht schmecken sollte, dann wäre es schade wenn es im Mülleimer landen würde.

Kosten Sie verschiedene Produkte in den verschiedenen Zubereitungsstufen! So entdecken und erleben Sie, wie sich der Geschmack eines Gerichtes bzw. der Produktes entwickelt.

Das Geschmackstraining ist ein Experiment mit jedenfalls positivem Ausgang. Denn jeder wird etwas Neues finden, was für Ihn genial köstlich schmeckt. Aber begehen Sie nicht den Fehler und probieren neue Fertigprodukte aus, sondern bleiben Sie bei den unverfälschten Naturprodukten.

Geschmäcker sind verschieden!

Dieses Sprichwort ist und bleibt natürlich aufrecht. Denn eines ist fix: Alles kann einem nicht schmecken. Und an dieser Stelle muss auch die Grenze gezogen werden. Denn niemand soll sich dazu zwingen etwas zu essen, was einem gar nicht schmeckt. Tut man das doch, oder noch schlimmer, zwingt man seine Kinder etwas aufzuessen was ihnen gar nicht schmeckt, macht man genau das Verkehrte. Damit lernt man sich oder dem Kind nicht sich gesund zu ernähren, sondern da vergeht einem gleich mal der große Appetit an gesunder Kost. Und negative Erlebnisse prägen sich bekanntlich stärker ein, als viele Positive zusammen.

Probieren Sie vielfältige Produkte aus, versuchen Sie diese kennenzulernen und Sie werden vieles von dem Neuen auch lieben lernen. Zeigen Sie Ihren Kindern die Vielfalt der Produkte, die die Natur hergibt. Lassen Sie die Kinder mit dem Geschmack experimentieren, aber verstehen Sie auch, wenn Ihrem Kind oder auch Ihnen etwas gar nicht schmeckt.

Geschmackserziehung
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