Kinder und gesundes Essen

Kinder lieben meist Ketchup, Pommes und Co. Daran geht bei vielen kein Weg vorbei. Doch Kindern kann auch gesundes Gemüse und gesundes Essen richtig gut schmecken. Die Expertin Mag. Angelika Kirchmaier verrät die „Geheim-Tricks“ wie Sie Ihre Kinder dazu bringen, auch gesundes Essen nicht zu verschmähen.

Tipp 1

Mein absoluter Geheimtipp in Sachen Gemüse folgt dem Motto „Der Hunger ist der beste Koch“. Bei uns kommt der Salat immer als erster Gang auf den Tisch. Die Hauptspeise muss dann noch „ein Weilchen garen“, d. h. ist leider noch nicht ganz fertig. Mit diesem Trick wird die Salatschüssel immer leer. Erst wenn sich der Inhalt der Schüssel dem Ende zu neigt, “ist die Hauptspeise fertig“.

Tipp 2

Schummeln: Schummeln Sie Gemüse und Obst in alle möglichen Gerichte, damit gewöhnen sich ihre Kinder indirekt an den Geschmack von Obst und Gemüse.
Mischen Sie z. B.:

  • sehr fein geraspelte Karotten und Sellerie in Faschiertes, Aufläufe und Gratins,
  • diverse Gemüse in Saucen von Ragouts, Geschnetzeltem und Gulasch (Dazu große Gemüsestücke mit garen, heraus nehmen und mit etwas von der Garflüssigkeit zu einer Sauce pürieren. Große Gemüsestücke erleichtern das Heraussuchen nach dem Garen)
  • oder fein geraspelte Kürbisse, Äpfel, Quitten und Birnen in Kuchen.

Tipp 3

Rohes weckt meist viel mehr Neugierde als Gegartes. Animieren Sie Ihre Kinder zum Kosten der rohen Gemüse- und Obstsorten. Kosten Sie selber mit und diskutieren Sie über den Geschmack. Geben Sie in punkto Diskussion Ihrem Kind den Vorrang

Tipp 4

Seien Sie Vorbild Nummer 1. Nur wenn IHNEN der Umgang mit frischen Lebensmittel Freude bereitet und Ihnen frische Lebensmittel besser schmecken als fast food, werden Sie auch Ihre Kinder davon begeistern können. Ein offensichtlicher Genuss weckt in den Kindern viel mehr Neugierde auf frische Lebensmittel als das ständige Ermahnen Gesundes zu essen.

Tipp 5

Räumen Sie Gemüse und Obst einen fixen Platz in Ihrem täglichen Speiseplan ein. Damit werden Gemüse und Obst zu einer Selbstverständlichkeit, die Geschmacksrezeptoren gewöhnen sich daran und ein „mir schmeckt das nicht“ entwickelt sich zum Auslaufmodell. Das bedeutet nicht, dass es nicht das ein oder andere Lebensmittel geben darf, das ihrem Kind nicht schmeckt. Uns Erwachsenen schmeckt ja auch nicht immer alles.

Tipp 6

Der Gaumen benötigt acht, in manchen Fällen bis zu 20 Versuche um sich an ein Lebensmittel zu gewöhnen. D. h. wenn ihr Kind nach dem ersten Bissen einer neuen Gemüsesorte meint, es schmeckt nicht, servieren Sie dieses Lebensmittel trotzdem immer wieder. Vielleicht in einer etwas anderen Konsistenz oder mit anderen Gewürzen, Beilagen, Saucen, aber geben Sie nicht auf. Sie werden sehen, aus jedem Gemüsemuffel wird so über kurz oder lang ein Gemüseliebhaber.

Tipp 7

Lassen Sie Ihre Kinder beim Einkauf mit entscheiden, welche Gemüse- und Obstsorten diesmal mit nach Hause fahren dürfen. Mein Tipp: In der heutigen Zeit finde ich auch den ökologischen Rucksack sehr wichtig. Regionale Saisonlebensmittel schneiden am besten ab, weit gereiste am schlechtesten. Erklären Sie Ihren Kindern wie weit manche Lebensmittel reisen müssen, bis sie in unseren Supermärkten zum Verkauf angeboten werden. Z. B. zeige ich den Kindern gerne auf dem Globus den weiten Weg, den eine Erdbeere im Dezember zurück legen muss. Gerne vergleiche ich mit einer von den Kindern besonders lang empfundenen Reise. Z. B. die Erdbeere war 50 x so lange unterwegs als wir bei unserer Reise nach XY.

Tipp 8

Verwöhnen Sie Ihre Kinder so früh wie möglich mit frischen Lebensmitteln, am besten schon in der Schwangerschaft. Wussten Sie, dass Ihr Baby bereits in der Schwangerschaft mit Ihnen schlemmt? Ihr Baby trinkt das Fruchtwasser und dieses schmeckt je nach Gericht immer anders. In der Stillzeit speist Ihr Kind ebenfalls mit Ihnen. Hier ist es die Muttermilch, die sich je nach Speise im Geschmack und Geruch verändert. So schmeckt die Milch nach einer Hand voll Erdbeeren, nach Erdbeere, nach einem Apfel nach Apfel und nach einer Karotte eben nach Karotten. In der Beikostzeit, also ab dem ca. 6. Lebensmonat, verfeinert sich der Geschmackssinn Ihres Kindes. Gerade ab dieser Zeit ist es sehr wichtig, Ihr Kind an immer wieder neue gesunde Lebensmittel zu gewöhnen. Je vielfältiger und frischer das Speisenangebot in den ersten drei Lebensjahren, desto experimentierfreudiger die Kinder und desto ausgeprägter das Geschmacksempfinden. Das Schmackhaft machen von gesunden Lebensmitteln wird bei dieser entsprechenden Vorarbeit zum Kinderspiel.

Tipp 9

Verabschieden Sie sich von Aromastoffen und Geschmacksverstärkern. Sie sind das Aus für jedes natürliche Geschmacksempfinden. Verwenden Sie stattdessen natürliche Lebensmittel, z. B. anstatt Vanillinzucker, Vanilleschotenmark, anstatt Zitronenaroma die Schale von Bio-Zitronen und anstatt Suppenwürzen mit Geschmacksverstärkern, also Glutamat, natürliche Gewürze und Kräuter oder Suppenwürfel ohne Geschmacksverstärker, die es inzwischen ebenfalls schon in jedem gut sortierten Supermarkt gibt.

Tipp – Hausgemachter Vanillezucker:
Stecken Sie die Vanilleschoten, von denen Sie das Mark ausgekratzt haben in ein gut verschließbares Glas und stellen Sie dieses für mindestens 4 Wochen in den Küchenschrank. Danach schneiden Sie die Vanilleschoten mit einer Schere in 1 cm lange Stücke und mahlen Sie den Zucker und die Schoten in einer Moulinette, dem Thermomix oder einer Kaffeemühle sehr fein. Der hausgemachte Vanillezucker hält gut verschlossen und dunkel im Küchenschrank gelagert ca. 1 Jahr.

Tipp 10

Seien Sie entspannt – es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen und selbst wenn die Begeisterung für das Kochen nicht wirklich entflammt, Sie sind das Vorbild Nummer 1 und Ihre Kinder werden sich über kurz oder lang an dieses Vorbild erinnern und ihr Verhalten unbewusst nachahmen.

10 Tipps – So essen Ihre Kinder gesund!
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