Kassia Fistula – traditionelles Heilmittel in vielen Kulturen

  • Kassia FistulaKassia Fistula © issgesund

Weitere Namen: Goldregen, Sennesfrucht, Manna, Caneficier (Französisch), Purging cassia, Indian laburmun, Golden-shower (Englisch)

Familie: Fabaceae

Gattung: Cassia

Art: fistula

Beschreibung:

Was ist die Kassia? Eine Frucht, ein Gemüse, eine Heilpflanze, eine Zierpflanze? … Vielleicht alles zugleich!

Die Früchte haben die Form mehr oder weniger gerader, zylindrischer Stangen von etwa 50 cm Länge mit einem Durchmesser von 1 bis 2 cm. Bei Vollreife sind Kassiastangen dunkelbraun, fast schwarz. Die holzige Schale ist relativ dünn, aber sehr widerstandsfähig.

Kassia Fistula Fruchtfleisch

Kassia Fistula Fruchtfleisch © issgesund

Das Innere besteht über die ganze Länge der Stange aus einer Reihe runder Scheibchen, die voneinander jeweils durch einen hellbraunen Samen getrennt sind. Diese Scheibchen sind von einer feinen Schicht schwarzen Fruchtfleischs umhüllt, dem einzigen essbaren Bestandteil der Frucht, dessen Aroma an Schokolade mit Nuancen von Kaffee und Lakritze erinnert.

Zusammensetzung:

Die wegen ihrer beruhigenden Wirkung geschätzte Kassia wird seit der Antike als Laxativ verwendet. Ihre abführende Wirkung ist auf das Vorkommen von Sennosiden aus der Familie der Anthracenoside wie auch von Schleimstoffen zurückzuführen. Diese Substanzen findet man auch in anderen Laxativen Pflanzen wie Senna oder Rhabarber.

Reifung und Lagerung

Noch unreife Kassiaschoten sind grün und enthalten fast kein Fruchtfleisch. Während der Reifung wird die Schale zunehmend schwärzer und auch das Fruchtfleisch geht vom Braungelben ins Schwarze über.

Die Lagerfähigkeit der Kassia variiert, je nachdem, ob sie noch in den Schoten oder bereits ausgelöst ist. Ist Ersteres der Fall, lässt sie sich sehr gut über ein Jahr an einem eher kühlen Ort lagern, zum Beispiel im Keller. Die geschälte Kassia ist ebenfalls gut lagerfähig, sie hält sich mehrere Monate im Kühlschrank, wenn sie luftdicht in einem Schraubglas, einer Tüte oder einem Kunststoffschälchen aufbewahrt wird.

In beiden Fällen sollte man darauf achten, dass sie nicht zu trocken wird. Zu trockene Früchte erkennt man an ihrer brüchigen Konsistenz. Selbst in diesem Zustand kann die Kassia leicht wieder ihre ursprüngliche Konsistenz annehmen, ob geschält oder in Stangen. Lagern Sie sie hierfür mehrere Stunden lang in einem angefeuchteten Tuch oder Löschpapier eingewickelt.

Verzehr

Um die Wirkung der Kassia fistula bestmöglich ausnutzen zu können, wird empfohlen, mindestens fünfzehn Minuten vor dem Verzehr ausreichend Wasser zu trinken; direkt vor oder nach der Einnahme von Kassia zu trinken, kann die Wirkung der aktiven Substanzen schwächen.

Kassia Fistula

Kassia Fistula © issgesund

Zum Öffnen einer Kassiastange eignet sich ein üblicher Nussknacker. Achten Sie darauf, die Hebel nicht zu fest zusammenzupressen, um die Scheibchen im Inneren nicht zu zerdrücken. Die Schale bricht entlang der einander gegenüber liegenden Schalennähte auf. Daraufhin lassen sich die Scheibchen mit Hilfe eines Löffelstiels herausnehmen. Im Allgemeinen lassen sich bis zu drei oder vier Scheibchen gleichzeitig lutschen, nur ist darauf zu achten, die kleinen Samen wie auch die holzigen Scheibchenreste wieder auszuspucken.

Kassia wird reif verzehrt, im Allgemeinen außerhalb der Mahlzeiten. Beim ersten Probieren empfiehlt es sich, nicht mehr als drei Scheibchen einzunehmen. Daraufhin lassen sich die Mengen auf Wunsch erhöhen, jedoch mit Bedacht, denn schon ein leichtes Übermaß kann „unerwünschte“ Wirkungen auslösen in Form von vorübergehenden Durchfällen oder leichten Bauchschmerzen.

Gelegentlich eingenommen ist Kassia fistula sehr hilfreich zur Linderung zum Beispiel von Verdauungsbeschwerden oder Kopfschmerzen.

Botanik und Ökologie

Beschreibung des Baumes:

Der aus den trockenen Regionen Indiens und Sri Lankas stammende Baum kann bis zu zehn Meter hoch werden. Seine wechsel- und paarständigen Blätter, werden 40 bis 50 cm lang. Die Enden laufen oval zu. Die Fruchtstände bilden Trauben von etwa 50 cm Länge, die hellgelb bis goldgelb blühen, ein wunderschönes Bild. Ihnen verdankt der Baum seinen häufig verwendeten Beinamen Goldregen.

Klima- und Bodenbedingungen:

Der Baum ist an heiße und trockene Gegenden angepasst und stellt geringe Ansprüche an die Beschaffenheit des Bodens. Es heißt, dass der Kassiabaum Niederschlagsmengen von 4,8 bis 27,2 cm und Temperaturen von 18 bis 30 Grad Celsius tolerieren kann.

Ökologisches Interesse

Der Kassiabaum wird als Zierpflanze hoch geschätzt. Sein Holz verwendet man auch als Bau- und Brennstoff. Es ist rötlich, sehr dicht und außerordentlich widerstandsfähig. Die Rinde ist für Gerbereien von großem Nutzen, vor allem in den Entwicklungsländern.

Sorten, Verbreitung und Saison

Die Gattung Cassia umfasst mehr als 600 Arten, Bäume, Gräser und Sträucher. Neben der Cassia fistula sind die bekanntesten

  • Cassia senna (Senna)
  • und Cassia javanica.

Die Früchte der Cassia javanica haben dieselbe Hülsenstruktur wie die fistula, sind aber größer. Sie sind auch süßer und aromatischer und gelten im Gegensatz zur fistula als vollständige Früchte ohne besondere Heilwirkung.

Senna ist hingegen als starkes Abführmittel bekannt. Die verschiedenen Teile der Pflanze werden meist in Form von Tees, Aufgüssen, Pulver etc. vertrieben.

Die Wirkung der fistula ist milder als die der Sennafrucht. Man findet sich heute in allen tropischen und subtropischen Regionen: in Nordafrika, Asien, Amerika etc. In Thailand findet die Ernte zwischen September und Oktober statt.

Geschichte und Anekdoten

Die aus Indien und dem tropischen Asien stammende Kassia findet man heute fast überall auf der Welt, und das nicht nur wegen ihrer therapeutischen Wirkungen. So werden zum Beispiel die Blüten für Opfergaben in bestimmten Hindu-Tempeln verwendet. Genauso in Thailand, wo der Baum, das Nationalemblem, von jeher als heilig und glücksbringend verehrt wird.

Bereits vor sehr langer Zeit haben verschiedene Volksheilkunden auf der ganzen Welt Kassia fistula unter ihre traditionellen Heilmittel aufgenommen. In der Provinz Yunna in China verwendet man die Blätter und Früchte bei Entzündungen und die Blüten als Laxativ. In Westindien (Konkan), nimmt man Kassiasaft gegen Bandwürmer und die Blätter zur Herstellung von Umschlägen bei Rheuma oder Gicht. Auf den Antillen verwendet man Rinde und Blätter zur Linderung bestimmter Hauterkrankungen.

In Frankreich gab Voltaire um 1775 an, regelmäßig Kassia einzunehmen. In einem Briefwechsel mit der Marquise von Deffand, die ihn diesbezüglich um Rat bat, erklärte er im Wesentlichen, dieses „kleine Heilmittel“ aus der arabischen Medizin zu haben und davon mehrmals pro Woche zwei oder drei Teelöffel einzunehmen. Er betont, dass er sie am liebsten geschält, also ohne Kerne und holzige Partien, einnehme. Dann fügt er hinzu, der Kassia gelegentlich mit Rhabarber untreu zu sein, der eine ähnliche Wirkung habe. Er beendet seinen Brief mit den Worten: „Mal die Kassia, mal Rhabarber, und kühn will ich behaupten, dass dies Früchte sind, mit denen die Erde nicht umsonst bedeckt ist, dass sie sowohl zur Nahrung als auch zur Heilung dienen und dass man dem Himmel für diese Gaben dankbar sein muss“.

Haben sie weitere Fragen zur Kassia oder wollen wissen wo sie diese bekommen, schreiben sie uns einfach, wir helfen ihnen gerne weiter.
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