Welche Gütesiegel gibt es im Lebensmittelbereich und für was stehen sie?

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Gütesiegel dienen dem Verbraucherschutz. Die verschiedenen Kennzeichnungen dienen der Garantie, dass der Konsument sich auf die Qualität und die Einhaltung bestimmter Werte verlassen kann. Allerdings gibt es mittlerweile so viele Qualitätsnachweise, dass es schwierig wird, sie einzuschätzen. Erschwerend kommt hinzu, dass die zwar regelmäßig überprüft werden, es aber dennoch bei einigen immer wieder zu Verstößen kommt, die den Verbraucher verunsichern und den Wert der Siegel infrage stellen.

Voraussetzung für ein Gütesiegel

Nicht alle Siegel bestätigen Zertifizierungs- und Prüfungsmaßnahmen, die auch das halten, was sie versprechen. So kann es sich bei den Emblemen auch um Marketingstrategien handeln, die keinen weiteren Wert haben. Auf der anderen Seite gibt es Siegel, die nur unter strengsten Auflagen verliehen werden. Der Gesetzgeber verbietet deshalb irreführende Gütesiegel. Selbst „erfundene“ Siegel sind nicht erlaubt, denn sie werden als wettbewerbsverzerrend eingestuft. Ansprechpartner bei Verdacht auf einen Verstoß ist die Wettbewerbszentrale.

Damit ein Gütesiegel auch als solches geführt werden darf, muss der Anwender sich einem Prüfverfahren unterziehen. Im Ergebnis erfolgt so der Nachweis, dass die auferlegten Kriterien erfüllt werden. Das können auch Mindeststandards sein. Damit garantiert der Träger des Siegels nicht mehr, als dass er sich an das Gesetz hält. Andere Siegel erfordern sehr viel mehr Leistung, wie zum Beispiel das Gütesiegel der Firma Demeter. Hier müssen strengste Auflagen erfüllt werden, damit das Biosigel auf den eigenen Produkten verwendet werden darf.

Fairtrade – Für den fairen Handel

Fairtrade Logo

Fairtrade Logo

Das Gütesiegel Fairtrade ist für Waren vorgesehen, die fair gehandelt werden. Das bedeutet, dass alle Bestandteile des Produkts, die in Fairtrade Qualität verfügbar sind / bezogen werden können, zertifiziert sein müssen (all that can be-Prinzip). Ein Beispiel: In einer Eiscreme ist vielleicht Fairtrade-Vanille, Fairtrade-Zucker und Fairtrade-Kakao enthalten, andere Inhaltsstoffe, wie Milch, Wasser etc. sind mitunter in Fairtrade-Qualität gar nicht verfügbar. Ziel ist, Kleinbauern stabile Preise und eine langfristige Auftragslage zu garantieren. Mit Fairtrade-Prämien werden wichtige Gemeinschaftsprojekte, wie z.B. Schulen oder Straßen unterstützt. Neben der fairen Bezahlung müssen außerdem die Standards des Umweltschutzes eingehalten werden. Fairtrade soll möglichst von den Kommunen unterstützt werden, die ihrerseits zur Fairtrade-Gemeinde werden. Dazu müssen sie fünf Kriterien erfüllen:

  • Ratsbeschluss
  • Steuerungsgruppe gründen
  • Fairtrade-Produkte in den lokalen Betrieben
  • Fairtrade-Angebote in öffentlichen Einrichtungen
  • Berichterstattung über Fairtrade-Projekte in der Stadt

Sind diese Voraussetzungen erfüllt, können sich die teilnehmenden Städte um die Auszeichnung „Fairtrade-Gemeinde“ bewerben. Die Auszeichnung gilt dann für zwei Jahre. Nach dieser Zeit wird erneut geprüft, ob die Voraussetzungen noch erfüllt sind. Geprüft werden aber nur die Mindeststandards. Die Teilnehmer sind aber aufgefordert, selbst Initiative zu zeigen und zusätzliche Ideen umzusetzen.

Fairtrade feiert gerade seinen 25 Geburtstag

Zu diesem Anlass haben wir dem Geschäftsführer von Fairtrade Hr. Hartwig Kirner ein paar Fragen gestellt.

Bitte beschreiben sie uns kurz für was ihr Gütesiegel steht und was ihr Hauptaugenmerk ist.

Mit FAIRTRADE lässt sich der Handel verändern – durch bessere Preise für Kleinbauernfamilien, menschenwürdige Arbeitsbedingungen und gerechtere Bezahlung für Beschäftigte auf Plantagen in sogenannten Entwicklungsländern. Bewusste Kaufentscheidungen für Produkte mit dem FAIRTRADE-Siegel tragen zu einer Verbesserung der Lebensbedingungen sowie einer Stärkung von Kleinbauernfamilien und von Beschäftigten auf Plantagen bei.

Welche Faktoren haben einen Einfluss auf die Bewertung?

Die FAIRTRADE-Standards, das verbindliche Regelwerk von FAIRTRADE, sind vielseitig. Sie umfassen soziale, ökologische und ökonomische Richtlinien. Im Mittelpunkt stehen immer die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen in den sogenannten Entwicklungsländern.

Bitte beschreiben sie uns kurz ihren Audit-Prozess, wie oft dieser durchgeführt wird und wer diesen durchführt.

Die Audits werden von der unabhängigen Zertifizierungsstelle FLOCERT GmbH durchgeführt. Ihre Aufgabe ist es, regelmäßig die Einhaltung der FAIRTRADE-Standards bei den Produzentenorganisationen, Händlern und Unternehmen im FAIRTRADE-System zu überprüfen und unabhängige Zertifizierungen bei allen Vertragspartnern durchzuführen. Mehr als 100 geschulte Auditorinnen und Auditoren führen weltweit vor Ort die Kontrollen nach einheitlichen Verfahren bei allen relevanten Vertragspartnern durch. Das geschieht regelmäßig und kann sowohl angekündigt als auch unangekündigt stattfinden.

Sind die Audit-Reports auch der Öffentlichkeit zugänglich und wenn ja, wo können diese gefunden werden?

Nein, die Daten sind nicht öffentlich einsehbar. Es handelt sich dabei um umfassende und sensible Unternehmensinterna wie Gehälter, Geldflüsse und verkaufte Volumina. Derartige Daten transparent zu machen, ist nicht branchenüblich und wäre auch datenschutzrechtlich bedenklich. Der Zertifizierungsstatus einer Produzentenorganisation ist aber für FAIRTRADE einsehbar.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit ein Produkt ihr Gütesiegel verwenden darf?

Nur wenn Produkte die gesamte FAIRTRADE-Wertschöpfungskette durchlaufen, sind die Voraussetzungen erfüllt. Mittlerweile gibt es in den heimischen Regalen mehr als 1.900 Produkte mit dem FAIRTRADE-Siegel und die Tendenz ist weiterhin steigend.

Gibt es noch weitere Infos zu ihrem Gütesiegel die sie uns geben möchten?

Wir freuen uns, dass mittlerweile mehr als 90 Prozent der Österreicherinnen und Österreich das FAIRTRADE-Siegel kennen und diesem ihr Vertrauen entgegenbringen. FAIRTRADE zählt zu den bekanntesten Markennamen Österreichs, was zeigt, welchen Stellenwert der faire Handel in unserem Land bereits einnimmt. 2018 feiert FAIRTRADE 25-Jahr-Jubiläum und wir bedanken uns bei allen für die tolle Unterstützung.

+++ Gewinnspiel +++ Bis zum 23.2.2018 hast du die Möglichkeit einen von 4 Fairtrade Goodie-Bags 🛍️ zu gewinnen. 1....

Posted by ISSGesund - Das Online-Magazin für gesundes Essen on Montag, 5. Februar 2018

Umweltsiegel – was steckt dahinter?

Blauer Engel Logo

Blauer Engel Logo

Bei den Umweltsiegeln wird es für den Verbraucher deutlich schwieriger, den Wert zu erkennen. Für eine bestmögliche Orientierung empfiehlt es sich, sich auf die von der Bundesregierung anerkannten Siegel zu verlassen. Dazu gehören:

  • Der blaue Engel
  • Öko Control
  • FSC (Forest Stewardship Council)
  • PEFC-Siegel (Programme for the Endorsement aof Forest Certificaction Schemes)
  • Naturland
  • Natureplus

Umweltsiegel sollen umwelt- und gesundheitsbewussten Verbrauchern als Entscheidungshilfe dienen. Die Siegel weisen die Produkte bzw. die angebotene Dienstleistung als umweltfreundlich hergestellt aus.


Siegel für Lebensmittel

Naturkost nimmt einen immer größeren Stellenwert ein. Auch hier haben Gütesiegel eine große Bedeutung. Sie informieren den Konsumenten über die wichtigsten Voraussetzungen. Dazu zählen:

  • Frei von Gentechnik
  • Fairer Anbau
  • Bioqualität
  • Nachhaltigkeit

Tierwohl – das umstrittene Siegel

Tierwohl Logo

Tierwohl Logo

Die Aktion Tierwohl ist eine noch junge Kampagne, an der sich auch Supermarktketten, wie Aldi, Edeka, Kaufland, Lidl, Netto, Penny, REWE und WASGAU beteiligen. Auf der Seite der Schweinehaltenden Betriebe haben sich laut initiative-tierwohl.de über 4000 Betriebe zur Teilnahme angemeldet (Stand Januar 2018). Das bedeutet, dass etwas mehr als 20 % der Schweine aus Ställen stammen, die Teil der Initiative sind. Die Aktion Tierwohl ist aber nicht auf Schweine beschränkt, sondern richtet sich auch an Geflügelbetriebe. Zu den Kriterien gehören folgende Faktoren:

  • Antibiotikamonitoring
  • Stallklima
  • Tränkwassercheck
  • Beschäftigungsmaterial
  • Gesundheitsplan
  • Verbesserte Gesundheit

und weitere Punkte, die aber nicht zwingend alle umgesetzt werden müssen. Ziel der Teilnehmer ist, den Landwirten mehr Einnahmen zu verschaffen, damit sie die Haltungsbedingungen verbessern können. Der Handel nimmt deshalb für das Fleisch vier Cent pro Kilogramm mehr und zahlt das Geld in einen Fond, das wiederum den Landwirten zur Verfügung gestellt wird.

Das sagen Kritiker zu Tierwohl

Kritiker erklären, dass die Idee zwar gut ist, die Umsetzung aber zu wünschen übrig lässt. Die Verbraucherorganisation foodwatch kritisierte dazu bereits, dass es sich um Scheinlösungen handelt[1]. Eines der Hauptprobleme sei, dass den Landwirten nicht genügend Geld zukommt, um die Forderungen auch zugunsten der Tiere umzusetzen. Zwar gibt es immer wieder Ideen, die Haltungsbedingungen weiter zu verbessern, gleichzeitig sind die Fleischpreise für Schwein trotz leichter Steigerung viel zu niedrig, um wirklich etwas auf Dauer zu bewegen. Erschwerend kommt hinzu, dass mit 2018 eine Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest der Exportmarkt für Schweinefleisch einbrechen lassen kann. Angesichts der Massenproduktion ist es damit unmöglich, einen stabil wirtschaftlich tragbaren Fleischpreis zu erreichen, der die Haltungsbedingungen verbessert. Weitere Kritikpunkte sind, dass das betäubungslose Beschneiden der Schwänze und  Kastrieren der Ferkel weiterhin erlaubt ist. Ähnlich sieht es mit dem Platzangebot für Mastschweine aus. Per Gesetz hat das Tier bei einem Gewicht von 110 kg Anspruch auf 1qm Platz. Das ist weniger, als es ausgestreckt liegend einnimmt. Das neue Gesetz vergrößert die Fläche um etwas mehr als ein DinA 4Blatt.


Rapunzel

Rapunzel Logo

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Rapunzel ist ein Hersteller von Biolebensmitteln, das 1974 gegründet wurde. Zu den Angeboten gehören Nussprodukte, Schokolade, Teigwaren und Kaffee. Die Kontrollen beginnen bereits auf dem Feld und begleitenden das Produkt bis zum Kunden. Fairer Handel ist ein wichtiger Schwerpunkt, denn fairer Handel ist die Grundlage für dauerhaft realisierbaren ökologischen Anbau und die tierschutzgerechte Haltung von Nutztieren. Rapunzel setzt darüber hinaus auf Transparenz und arbeitet mit verschiedenen zertifizierten Unternehmen zusammen. Dazu gehört auch Demeter.


Dafür steht Demeter

Demeter Logo

Demeter Logo

Demeter  ist ein Unternehmen, das im Jahr 1924 gegründet wurde. Demeter hat sich zum Ziel gesetzt, die Mindeststandards in der biologischen Landwirtschaft deutlich zu überschreiten. Zur Firmenphilosophie gehört daher, dass die Mitglieder der Demeter-Betriebe die Vorgaben bereits bei der Beachtung der Richtlinien für Pflanzenzüchtung umsetzen. So sollen die Betriebe unabhängig von der Pflanzenindustrie sein. Außerdem betreibt Demeter eine ökologische Tierzucht, weg von Tieren, die ausschließlich auf kurzfristige Höchstleistung gezüchtet werden. Darüber hinaus legt Demeter großen Wert auf einen sozialen Umgang und umweltverträgliche Produktion. Demeter gilt als skandalfreies Biolabel mit einer Vielzahl von Angeboten. 


Alnatura

Alnatura Logo

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Alnatura unterhält seine eigenen Supermärkte für Biolebensmittel. Insgesamt gehören 1.2000 Bio-Produkte zum Sortiment, die deutschlandweit und in der Schweiz vertrieben werden. Alnatura arbeitet mit Landwirten zusammen, die sich der Philosophie von Biolandwirtschaft verschrieben haben. Dazu gehört auch das integrative Arbeiten mit Mitarbeitern mit Handicap.


GEPA

Gepa Logo

Gepa Logo

Auch GEPA ist ein Unternehmen, das auf fairen Handel setzt. GEPA handelt vor allem mit Kaffee und arbeitet ausschließlich mit kleinen bäuerlichen Betrieben zusammen. Damit kann GEPA einen Preis zahlen, der über dem Weltmarktpreis liegt. Eine faire Bezahlung ist damit selbstverständlich. Außerdem bietet GEPA zusätzliche Zahlungen je nach Qualität der Produkte. Der hohe Anspruch auf Nachhaltigkeit und Qualität zeigt sich auch bei der Verpackung. So wird der Kaffee in Folie transportiert, die kein Aluminium enthält und recycelbar ist.

Zusätzliche Infos der GEPA Presseabteilung.

Wir haben auch bei der GEPA etwas nachgefragt und haben folgende Infos bekommen.

Hallo,

vielen Dank für Ihre Anfrage.

Wichtig ist jedoch, dass das GEPA-Logo für sich genommen kein „Gütesiegel“ ist, sondern unser Unternehmenslogo. Es ist also ausschließlich auf unseren Produkten zu finden. Wir sind kein Zertifizierer und auch keine Siegelorganiation.

Die GEPA ist ein Fair Handelsunternehmen: Das heißt, wie importieren und verkaufen fair gehandelte Produkte. Die GEPA steht mit ihrem Namen dafür ein, dass die Kriterien des Fairen Handels eingehalten werden. Wir kennen die Menschen, mit denen wir handeln – manche bereits jahrzehntelang. Fairer Handel ist der Kern unserer Firmenphilosophie, unsere Gesellschafter sind kirchliche Entwicklungsorganisationen und Jugendverbände. Die GEPA verwendet Gewinne ausschließlich für die Ziele des Fairen Handels. Alle unsere Produkte sind fair gehandelt – das unterscheidet uns von Anbietern, die nur ein Teil ihres Sortiments fair zertifizieren lassen.

Mit dem „fair plus“-Zeichen macht die GEPA, zusätzlich zum GEPA-Logo, darauf aufmerksam, dass sie in vielen Bereichen über die internationalen Standards hinausgeht. Ihr Ziel ist es, den Fairen Handel stets weiterzuentwickeln: Schokolade mit fairer Milch aus Deutschland, Verpackungsfolien aus überwiegend nachwachsenden Rohstoffen sowie faires Bio-Palmfett als Zutat für Schokoriegelfüllungen und Gebäck sind einige Beispiele.

Am GEPA-Logo können Verbraucher*innen also fair gehandelte Produkte erkennen, es ist jedoch wie gesagt kein „Siegel“.

Hier lesen Sie alles über unsere Ziele und Kriterien:
http://www.gepa.de/gepa/mission/gepa-kriterien.html

Für ihr Engagement ist die GEPA bereits vielfach ausgezeichnet worden, u. a. 2014 als „Deutschlands nachhaltigste Marke“ beim Deutschen Nachhaltigkeitspreis. Kürzlich wurde auch ihr Café Orgánico als „Deutschlands nachhaltigstes Produkt 2018“ gekürt. Der GEPA-Klassiker war 1986 der erste fair gehandelte Biokaffee in Deutschland.

Weitere Preise und Auszeichnungen:

http://www.gepa.de/gepa/mission/auszeichnungen.html

Zertifizierung und Monitoring:

Wir sind mit allen unseren Produkten in Zertifizierungs- und Monitoringsysteme eingebunden (z. B. FLO-CERT oder Naturland Fair) – einen Überblick darüber finden Sie hier. Auf dieser Seite sind auch unsere Zertifikate öffentlich einsehbar:
http://www.gepa.de/gepa/mission/siegel-zeichen.html

So sind wir z. B. Gründungsmitglied der World Fair Trade Organization (WFTO) und haben uns natürlich auch nach dem WFTO-Garantiesystem prüfen lassen.

Mehr über Siegel, Kontrolle und Standards im Fairen Handel lesen Sie hier:
http://www.fairtrade.de/index.php/mID/3.3/lan/de

  • [1]   http://www.foodwatch.org/de/informieren/tierhaltung/aktuelle-nachrichten/foodwatch-fordert-aus-fuer-die-initiative-tierwohl/
  • Auf Global 2000 finden sie zusätzliche Informationen zu weiteren Gütesiegeln.
Welche Gütesiegel gibt es im Lebensmittelbereich und für was stehen sie?
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