Pommes für mein Kind
Pommes & Italien
Meinung
Pommes © ExQuisine - Fotolia.com
Es war ein Urlaub im kulinarischen Italien. Ein Erlebnis beim "Italiener" in Italien. Ein füllige Familie betritt das Lokal und setzt sich an den Nebentisch. Das Kinder heutzutage den authentischen Geschmack gar nicht mehr lernen können, wundert mich seither nicht mehr. Die folgende Szene könnte für sich sprechen.
"Du nimmst eh Pommes?", fragt die Mutter das Kind. Pommes als Hauptspeise, frage ich mich? Naja, es ist ja Urlaub, da kann man seinem Kind ausnahmsweise schon mal lecker, fettige Pommes mit zuckerreichem Ketchup gönnen!
"Das isst Du ja zu Hause auch immer am liebsten, mit Ketchup und Majo!". Nun scheint es doch ernst zu sein. Mutter und Vater mit einer Menge an Übergewicht studieren minutenlang die Karte, gustieren aus den Fisch-, Salat- und Gemüsespezialitäten - Italiens Köstlichkeiten scheinen verlockend zu sein. Geht ja jetzt, denn die Tochter hat ja schon gewählt und fragt nicht mehr lästig "was krieg ich zum Essen?"
Immer noch denke ich, es ist Urlaub. Da muß nicht immer alle super gesund sein. Die Eltern bestellen nun Fisch, Gemüse und Pizza. "Magst Du noch ein Würstel zu den Pommes?" Mittlerweile denke ich, wir sitzen in der Kantine eines bekannten Möbelhauses. Ok, das ist zuviel, denke ich mir. So kann das Kind den Geschmack von gegrilltem Gemüse, frischem Fisch und knackigen Salaten nicht lernen. Nun gut, die Eltern haben dafür in alle Ruhe gustieren können.
"Darf ich von Deiner Pizza kosten?" fragt das Kind. "Nein, iss zuerst einmal Deine Pommes und das Würstel auf!". Zack, die nächste Geschmackswatsche hat gesessen. Da sitzt man im Italien und vergönnt dem armen Kind nur Pommes, Ketchup, Majo und Würstel. Als Erziehungsmaßnahme ("es muß ja aufgegessen werden") verwehrt man noch gleich dazu dem Kind die feinen Geschmacksnuancen zu erleben. Gute Geschmackserlebnisse sind ja nur für brave, folgsame Kinder, die anständig aufessen. Geschmack als Erziehungsmaßnahme.
Die halbe Portion Pommes und ein halbes Würstel blieb dann über. Eh klar, wen wunderts. Was gerade noch als Fast Food-ruck zuck-ich bin im Stress-Snack durchgeht, schmeckt dem Kind halt doch nicht so richtig. Und die leckere Salatpizza hat Mutti schon aufgegessen, ohne Kostprobe fürs Kind. Armes Kind! Guter Geschmack verboten!
Kommentar:
Matthias Funk-Fantini






