Was dahinter steckt

Heimlicher Killer oder tödliches Quartett – das sind Begriffe, die häufig in Zusammenhang mit dem metabolischen Syndrom fallen. Dahinter verbergen sich vier Faktoren, die zusammengenommen das Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt drastisch erhöhen. Es handelt sich um:

  • Übergewicht,
  • Bluthochdruck,
  • Fettstoffwechselstörungen und
  • Diabetes Typ 2.

„Diese Wohlstandserkrankungen treten sehr häufig gemeinsam auf“, erläutert Prof. Stephan Jacob, Mitglied der Deutschen Diabetes Gesellschaft und der Organisation diabetesDE, die Entstehung der Bezeichnung „metabolisches Syndrom“. „Die eigentlich treibende Kraft ist das bauchbetonte Übergewicht, das sogenannte viszerale Fettdepot“, ergänzt der Ernährungsmediziner Prof. Hans Hauner von der Deutschen Adipositas-Gesellschaft in München. Es ist sozusagen die Grundbedingung, die die drei anderen Faktoren begünstigt. Zu kalorienhaltige Kost und zu wenig Bewegung in der modernen Gesellschaft haben einen großen Anteil daran.

Treffen drei der vier Faktoren auf einen Menschen zu, spreche man bereits vom metabolischen Syndrom, erklärt Hauner. Die Kombinationsmöglichkeiten seien dabei sehr variabel. „Je mehr Bauchumfang man hat, umso mehr entwickeln sich die drei anderen“, sagt Endokrinologe Jacob. Sie müssten aber nicht in voller Ausprägung vorhanden sein, und nicht jeder Dicke sei automatisch betroffen. Es gebe vermutlich auch genetisch bedingte Schutzfaktoren.

Der Kardiologe Prof. Thomas Meinertz hält die Bezeichnung vor allem für die klinische Einordnung eines Patienten für sinnvoll: „Sie erlaubt, mit einfachen Messungen ein erhöhtes Risiko für Diabetes und Koronarkrankheit zu ermitteln“, sagt der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Herzstiftung. „Einen dicken Bauch können Sie sehen, und ob jemand Hypertoniker ist, also an Bluthochdruck leidet, meistens auch.“ Messen lassen sich dann noch Cholesterinwerte und Nüchternblutzucker.

Meinertz kritisiert allerdings, dass das metabolische Syndrom Krankheiten wie Bluthochdruck mit Risikofaktoren wie erhöhtem Cholesterin vermischt. Der Begriff lasse sich daher nicht gebrauchen, um eine einheitliche Behandlung zu definieren. Auch eine Ursache lasse sich nicht zu 100 Prozent zuordnen, fügt Jacob hinzu. Innerhalb der Forschung gebe es deshalb große Debatten. „Strenge Wissenschaftler stellen die Relevanz des metabolischen Syndroms infrage.“

Als übergewichtig gelten gemeinhin Menschen mit einem Body-Mass-Index ab 25. Dieser ergibt sich aus dem aktuellen Körpergewicht in Kilogramm dividiert durch das Quadrat der Körpergröße in Metern. Viel entscheidender ist laut Jacob aber der Bauchumfang. In Deutschland gelten 102 Zentimeter bei Männern und 88 bei Frauen als gefährlich. Die International Diabetes Federation, an der sich die Weltgesundheitsorganisation orientiert, hält laut Jacob bereits Werte ab 94 Zentimetern bei Männern und 80 bei Frauen für bedenklich.

Der Blutdruck gilt als schädlich vor allem für Gehirn, Herz und Nieren, wenn die Werte jenseits der Norm von 130/85 mgHg liegen. Der Blutzucker ist zu hoch, wenn er nüchtern bei 100 oder mehr Milligramm pro Deziliter liegt. Dann stellt der Körper nicht mehr genug Insulin her, Diabetes kann sich entwickeln, die Arterien drohen zu verkalken. „Das metabolische Syndrom hat uns gelehrt, welchen Einfluss Diabetes und seine Vorstufen auf die Koronarkrankheit haben“, sagt Meinertz.

Von einer Fettstoffwechselstörung schließlich wird gesprochen, wenn die Blutfettwerte verändert sind. Das sogenannte gute Cholesterin HDL ist dann zu niedrig, das „schlechte“ LDL ebenso wie die Triglyzeride über die Norm erhöht. Die LDL-Erhöhung und der Diabetes mellitus sind laut Meinertz das größte Risiko für die Arteriosklerose (Verkalkung) der Herzkranzgefäße.

Auch wenn es nicht die eine Behandlung des metabolischen Syndroms gibt, sind die Experten der Ansicht, dass jeder Betroffene es selbst in der Hand hat, die Gefahren zu verringern. „Sie können extrem viel selbst tun“, sagt Jacob. Fatal am metabolischen Syndrom ist aber, dass zum Beispiel ein erhöhter Blutdruck oder schlechte Cholesterinwerte nicht schmerzen. Deshalb fällt es vielen schwer, so abstrakten Ratschlägen wie „Nimm ein paar Kilo ab“ oder „Beweg Dich mehr“ zu folgen – auch wenn die Fachleute einhellig versichern, dass sich schon zwei bis fünf Kilo weniger auf der Waage positiv etwa auf den Blutzuckerspiegel auswirken.

Jacob empfiehlt seinen Patienten daher lieber, sich anhand eines Ernährungsprotokolls bewusst zu machen, was genau sie essen – und dann gezielt einiges zu ändern. Mithilfe eines Schrittzählers können sie sich vor Augen führen, wie wenig sie sich bewegen. Einer seiner Patienten habe seine gewohnten 700 Schritte auf 4.300 gesteigert und dadurch seinen Blutzuckerwert fast in den Normbereich gebracht.

Quelle: APA

Metabolisches Syndrom
5 (100%) 1 vote